Literatur im Erzgebirge - Literatura v Krušných Horách

Mehr(-)Wert

Du wolltest nach den Sternen greifen,
in alle Herren Länder reisen,
und allen anderen Menschen zeigen,
dass du alles schaffen kannst.

Das Kind in dir,
das immer noch
ganz klein in deinem Herzen lebt,
das immer noch
an jedem Tag
nach allen deinen Wünschen strebt,
auf das du hörst
und das du auch
an manchen Tagen ignorierst,
es sorgt dafür,
sass du im Leben
deine Träume nicht verlierst.

Es erinnert dich an all die Pläne
in deinem Kopf
vor vielen Jahren,
doch warst du damals einfach noch
viel zu jung und unerfahren.

Denn das Leben
war für dich in dieser Zeit
nur wie ein Spiel
und weil du vertraut hast,
ohne Grenzen
wolltest du so viel zu viel.

Du wolltest die ganze Welt erforschen,
von oben auf die Menschen lachen,
von allen gekannt und bewundert werden
und die Welt ein wenig besser machen.

Entwachsen aus den Kinderschuhen,
streckte das Leben seine Arme aus
und mit dem Zukunftsbild in schönsten Farben
gingst du ohne Furcht hinaus.

Doch voll Schrecken hast du eingesehen,
dass nichts so leicht ist,
wie gedacht,
aber du wolltest auch nicht ruhen,
bis alle Träume wahrgemacht.

Du hast versucht,
die ganze Welt
allein aus ihrer Bahn zu heben,
in jeder Stunde,
an jedem Tag
nach dem Höchsten nur zu streben.

Wolltest nicht übersehen werden
und etwas ganz Besonderes sein,
kein grauer Punkt in grauer Masse
und trotzdem einsam und allein.

Noch höher als nach Sternen greifend,
wolltest du den Olymp besteigen.
Die eigenen Grenzen überschritten,
wolltest du so allen Zweiflern
deine Kraft und deine Stärke zeigen.

Doch es fehlte Mut und Zeit.
Die Welt drehte sich in derselben Bahn
und langsam,
Jeden Tag ein bisschen,
erwachtest du aus deinem Wahn.

So wie ein Sprung ins kalte Wasser,
Alices Rückkehr aus dem Wunderland,
ist dir da klar bewusst geworden:
du rennst nur gegen eine Wand.

Und erst ganz leise,
protestierend,
regte sich das Kind in dir,
ein stummes Schreien
fragte es ganz vorwurfsvoll:
„Was wird aus mir?
Ich wollte doch besonders sein,
von oben auf die Menschen lachen
und von allen gekannt und bewundert werden
und die Welt ein wenig besser machen.“

Doch als die Jahre weiterzogen,
wurde diese Stimme klein,
denn langsam konntest du erkennen:
du musst nichts Besonderes tun,
um besonders zu sein.

Du musst nicht nach dem Höchsten streben,
das Kleine ist genauso gut.
Es ist doch nur ein Teil vom Höchsten,
auch wenn es im Verborgenen ruht.

Brauchst die Welt nicht aus den Angeln heben.
Es reichen auch ganz kleine Sachen,
wie Anderen helfen und vergeben,
Hoffnung stiften,
ein Kinderlachen.

Und wenn durch dich,
durch deine Taten
ein Anderer wieder hofft und lacht,
hast du dann nicht
die Welt ein wenig,
ein kleines bisschen
besser gemacht?

News

"e arzgebirgsches Madl" - Luisa Weinhold hat mit ihrem Gedicht "südwärts" zum Nachwuchsförderpreis 2016 gepunktet. Hier in voller Länge.

Bilder, Rückblicke und Kommentare zu den offenen Lesebühnen gibt´s hier

KrimiLeseTour 2018 - das deutsch-tschechische Gemeinschaftsprojekt "Schatten über dem Erzgebirge II" stellt sich der Öffentlichkeit vor. Alle Infos hier!

Herzlich Willkommen im Kreis der Erzgebirgsautoren
Monika Tietze, Dieter Schönherr, Katrin Albrecht, Werner Katzschner

NEU *** Links zu Aktionen der Baldauf Villa ***

hier klicken

Wetter