Literatur im Erzgebirge - Literatura v Krušných Horách

 Logo Kühnhaide Martin

20. Mai 2016 um 19 Uhr
Kühnhaide liest!
(ehemalige) Restauration Karl Heinrich Martin
Kühnhaidner Hauptstraße 37
09496 Marienberg
Erzgebirgische Stimmungsmusik mit "de Ranz´n"

Literatur im Erzgebirge entführte Sie in das ehemalige Wohn- und Wirtschaftsgebäude Haus-Nr. 37 mit dazugehörigem Wagenschuppen, welches anno dazumal zu einer Tischlerei umfunktioniert wurde. Vermutlich ca. 1750 errichtet und in den letzten Jahren umfassend restauriert, stellt es jetzt ein Kleinod dörflichen Lebens dar. Im großen Gastraum, mit alten Bildern und Arbeiten aus „Olivers Holzwelt“, rustikal und liebevoll dekoriert, erwarteten Sie erzgebirgische Literatur und Stimmungsmusik vom Feinsten mit „De Ranz´n“

von Martina und Lothar Hoffmann (Flöha)
Außenseiter fragen sich seit langem, welche Magie unserer Veranstaltungsreihe „Literatur im Erzgebirge“ innewohnt. Waren sie jedoch selbst einmal Gast einer offenen Lesebühne, sind auch sie umgehend von einem Virus befallen, werden süchtig danach, an möglichst vielen Vorleseorten dabei zu sein.
In gewisser Weise verlaufen diese Zusammenkünfte der Literatur-Produzenten und Literatur-Liebhaber zwar nach einem bestimmten Schema, doch durch die unterschiedlichen „Tatorte“ ist jedes Treffen ein unverwechselbares Erlebnis.

Am 20. Mai 2016 lockten die Organisatoren der BaldaufVilla Marienberg in die ehemalige Restauration Karl Heinrich Martin, nach Kühnhaide. Bekannt als kältester Ort Deutschlands und Geburtsstätte der legendären Timmel-Engel wurde an diesem Abend sehr viel Wissenswertes über Geschichte und Gegenwart dieser grenznahen Gemeinde vermittelt.

Abendsonne schien durch die Fensterchen des vermutlich um 1750 errichteten Fachwerkhauses. Katja und Oliver Reichel, die jetzigen Besitzer, erzählten nicht ohne Stolz von den umfassenden Restaurierungen ihres jetzigen Kleinodes.

Der einzige bekannte Programmpunkt waren „De Ranz`n“; also sollte es neben erzgebirgischer Literatur auch erzgebirgische Stimmungsmusik geben. Die größtenteils selbstverfassten mundartlichen Texte waren von bemerkenswerter Lyrik.
„De Ranzen“ eröffneten mit „Mir sei nimmer ganz nei“ und sorgten damit gleich zu Beginn für die richtige Stimmung, regten zum Mitsingen des Refrains an.

Als erster Leser sprang Peter Kurt Schwindt (Aue) in die Bütt. Seit seiner Premiere im Dezember 2015 ist man immer wieder gespannt, welche Alltagsszenen er aktuell zu Papier gebracht hat – und wird nie enttäuscht. Allein sein „Kindergeburtstag“ spielt sich in unserer wohlstandsverwahrlosten Welt leider zu oft ab!

Hannelore Dost (Döbeln) ist in der Gruppe der Erzgebirgsautoren ein Neuling, kann jedoch bereits auf mehrere eigene Veröffentlichungen verweisen. In ihren Kinderbüchern lässt sie die kleine Frieda von Abenteuern im Land Wunderschönhausen berichten.

Lothar Hoffmann (Flöha) ließ das amüsierte Publikum in einer Kurzgeschichte an seiner imaginären Kunst-Plauderei mit Abiturientin Sas (Saskia) teilnehmen.

Die Theatergruppe aus Kühnhaide führte an diesem Abend kein „Spektaculum“ auf. Die vier Mitglieder hatten vielmehr alte Chroniken gewälzt und lasen daraus höchst interessante Ereignisse aus längst vergangenen Zeiten.

Davon angeregt meldete sich der jetzige "Hammerhansl" aus Frohnau, alias Bernd Schreiter, spontan mit einer Mundartgeschichte seines Urgroßvaters zu Wort.

Ein herzlicher Dank an die „Herbergseltern“, die Musikanten, die Autoren und die interessierten Gäste aus nah und fern!

Freie Presse 23.5.2016

"Kühnhaide liest" haucht alter Kneipe neues Leben ein
Die Eigentümer haben den ehemaligen Gasthof für die Kultur geöffnet. Und die Stimmung unter den Besuchern war bestens.
Von Jan Görner
erschienen am 23.05.2016

Kühnhaide. Mundart dürfte das Gemäuer an der Hauptstraße in Kühnhaide gewohnt sein. Schließlich steht die ehemalige Restauration Karl Heinrich Martin bereits seit etwa 500 Jahren in dem Ort. In dem Raum, den am Freitagabend unter anderem De Ranzn aus Annaberg-Buchholz mit ihren erzgebirgischen Liedern erfüllten, saßen einst die Kneipengäste bei Bier und Deftigem.

"Kühnhaide liest", die offene Lesebühne, ist in dem Fachwerkhaus an der Hauptstraße zu Gast gewesen. Bier gab es auch, dazu Fettbemmen. Die Stimmung war fröhlich bis ausgelassen, so wie einst, als die Bedienungen noch mit ihren Tabletts durch die Gaststube flitzten. Vor allem bei den Liedern der beiden Musiker lachten und klatschten die über 20 Gäste. Sie saßen eng beieinander, so wie damals. Mehrere von ihnen lasen Texte und Gedichte vor. Ein großer Teil von ihnen hat sie selbst geschrieben.

Bis 1945 wurden in dem Haus Gäste bewirtet. Der letzte Inhaber der langen Reihe war Max Weber, Katja Reichels Urgroßvater. Gemeinsam mit ihrem Mann Oliver Reichel hat sie das Haus bereits 2002 erworben. Damals war es recht heruntergekommen. Der technische Standard dümpelte auf dem Niveau der 1930er-Jahre dahin. "Wir haben es mit Plumpsklo und zweipoliger Elektrik übernommen", so Oliver Reichel. Nun ist es modern eingerichtet. Dass der 41-jährige selbstständiger Tischlermeister ist, kam im bei den Sanierungsarbeiten zugute.

Trotz des Einzugs der Moderne hat das Haus nichts von seinem Charme verloren. "Einfach herrlich. Das ist ein sehr schönes Ambiente", fand Hannelore Jost aus Döbeln. Sie las in Kühnhaide aus ihren Kinderbüchern vor. "Man muss den Menschen danken, die so ein Haus vor dem totalen Verfall retten. Für kulturelle Zwecke eignet es sich wunderbar", fand der Arnsfelder Museologe und Gast Bernd Schreiter. Tatsächlich erinnert noch viel an das hohe Alter des Gebäudes. Die Balken an der Decke haben die Kühnhaider wieder sichtbar gemacht. Eine Wand gibt noch den Blick auf die Feldsteine frei, aus dem das Haus im unteren Teil besteht. "Als wir das Haus zum ersten Mal betraten, war die Türe zum Gastraum durch ein Schuhregal verstellt. Die Decke war abgehangen und noch niedriger als jetzt. Den Fußboden bildeten gelbliche zerbrochene Fliesen", erinnert sich die Urenkelin des letzten Gastwirtes. Zehn Jahre war das Haus eine Baustelle. Dach und Fassade sind neu. "Fertig wird man mit so einem alten Haus nie. Wir müssen schon wieder einige Stellen reparieren", erklärte Oliver Reichel. Eine sechsstellige Summe haben die Reichels bislang investiert. Für Fassade und Dach gab es Fördermittel seitens des Amtes für Denkmalschutz. Etwa 50.000 Euro steuerte die Behörde bei. "Die Mühen lohnen sich. Schließlich ist das Haus ein Stück Geschichte des Ortes und meiner Familie", sagte Katja Reichel. Die Familie wohnt im Dachgeschoss. Die ehemalige Gaststube im Erdgeschoss wollen Oliver und Katja Reichel gern mit kulturellem Leben füllen. "Kühnhaide liest", soll dafür ein Anfang sein. Die Familie ist für alle Ideen offen. Nur einen Gastronomiebetrieb wird es dort wohl nicht wieder geben.

Einige Impressionen (Klick auf´s Bild!)

 

 

News

Regina Grohmann, die "Märchenoma" aus Zschopau hat sich "Gereimtes zu Ostern" einfallen lassen. Zu lesen im Lesesaal April 2018

Bilder, Rückblicke und Kommentare zu den offenen Lesebühnen gibt´s hier

KrimiLeseTour 2017 - das deutsch-tschechische Gemeinschaftsprojekt "Schatten über dem Erzgebirge" stellt sich der Öffentlichkeit vor. Alle Infos hier JETZT NOCH AKTUELLER: MIT RÜCKBLICK!!

Herzlich Willkommen im Kreis der Erzgebirgsautoren
Monika Tietze, Dieter Schönherr, Katrin Albrecht, Werner Katzschner

NEU *** Links zu Aktionen der Baldauf Villa ***

hier klicken

Wetter