Literatur im Erzgebirge - Literatura v Krušných Horách

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17. September 2016 um 17 Uhr
Mauersberg liest!
Kreuzkapelle Mauersberg
09518 Großrückerswalde OT Mauersberg
e-Piano Sebastian Stuhlemmer

Literatur von erzgebirgischen Autoren trifft Hausmusik von Sebastian Stuhlemmer wenn es heißt:
Mauersberg liest!

Knapp ein Duzend Zuhörer ließen sich die offene Lesebühne „Mauersberg liest!“ trotz Weltuntergangswetter nicht entgehen.
Die wunderschöne Kreuzkapelle, die sich Literatur im Erzgebirge als Leseort ausgesucht hat, war bestens vorbereitet und stellte erneut ein erhabenes Ambiente für die literarische Soiree dar.
Musikalisch begleitet von Sebastian Stuhlemmer auf dem e-Piano, boten die Erzgebirgsautoren Peter Kurt Schwind und Horst Bade Einblicke in ihre literarische Arbeiten.
Gemeinsam mit Moderator Rüdiger Kempt mischten die beiden Hobbyautoren Trauriges, Morbides, Amüsantes, Geheimnisvolles und Nachdenkliches in Form von Lyrik und Prosa zu einer bunten Palette, die die Vielfalt der Literatur im Erzgebirge unter Beweis stellte.
Den Auftakt machte Rüdiger Kempt mit einem Reisebericht, der die Zuhörer mit nach Böhmen nahm. In einer sehr traurigen Geschichte, passend in das spirituelle Umfeld der Kapelle, beschreibt er in seinem Erstlingswerk den Tod der zweijährigen Julie Grünert, deren emailliertes Grabschild von 1897 auch nach fast 120 Jahren an sie erinnert.
Der extra aus Oranienburg angereiste Horst Bade brachte seine Sympathie für das Erzgebirge lyrisch zum Ausdruck: „Lob auf das Erzgebirge“ und „Bergstadt Marienberg“ waren zwei erste Hymnen auf Land und Leute. Der Brandenburger lässt sich durch seine Reisen immer wieder neu inspirieren und arbeitet an Gedichten, die seine Verbundenheit zu unserer Heimat zeigen.
Peter Kurt Schwind aus Aue legte in der ersten Runde seine „Sicht der Dinge“ dar. Mit einer Herzschlag imitierenden Klangmaschine als akustisches Hilfsmittel präsentierte Peter Kurt Schwind sein Gedicht „Das Herz“. Weitere Texte trugen die Titel „Der letzte Brief“ und „Orchester der Herzen“, die, bezaubernd-lässig vorgetragen, seine melancholische Ader zum Ausdruck brachten.
Ebenso ergreifend wirkten die Zwischentöne von Sebastian Stuhlemmer, Pianoklänge in Moll leiteten die zweite Leserunde ein.
Rüdiger Kempt fand im Internet eine tragische Geschichte aus den letzten Kriegstagen 1945. Fanatismus, Verzweiflung, Angst aber auch Todesmut zum Widerspruch geben trauriges Zeugnis von der Sinnlosigkeit eines jeden Krieges. Ein ehemaliger Postbeamter, der wegen angeblicher Aufruhr seit 1942 in 6 verschiedenen KZ inhaftiert war, kehrt am 5. Mai 1945 zurück nach Hause. Mit echten Entlassungspapieren, nach Strapazen der Heimkehr, nach trügerischem Glück zu Hause, wird er am 7. Mai zum Volkssturm einberufen, weigert sich und wird am 8.Mai 1945 vom örtlichen NSDAP Gruppenfüher am unteren Ast einer edlen Tanne vor der Kirche in Schönhof/ Böhmen erhängt.
Nachdem sich die Gemüter im Publikum beruhigt hatten, kehrte Horst Bade zurück in die Gegenwart und hellte die Stimmung mit weiteren Gedichten über unser schönes Erzgebirge auf. „Lauta“, „Sommerspaziergang“ und „Hymne der Rechenberger Bierbrauer“ waren die Titel seiner zweiten Leserunde.
Peter Kurt Schwind überraschte die Zuhörer mit einer wundersamen Geschichte. Sage, Märchen, Sinnestäuschung? Ein See, der plötzlich sein Wasser verliert, in einem Strudel, alles mit sich reissend. „Der Stöpsel“, so der Titel seines Textes, berichtet von einem Landvermesser anno dazumal, der die Natur sich gegen sich beschwört und dafür mit dem Leben bezahlt.
Nach einer letzten, diesmal beschwingten Zwischenmusik von Sebastian Stuhlemmer, leitete der Moderator die letzte, kurze Runde ein. Er selbst trug ein Gedicht (Verfasser unbekannt) vor, in dem es ums Altwerden ging. Das Äußere spielt dabei keine Rolle, in sich selbst muss man jung bleiben…
Horst Bade wartete noch mit seinen Gedichten „Hirtstein“ und „Der verhinderte Rosenkavalier“ auf, ehe Peter Kurt Schwind den Abschluss mit „Geburtstagsgruß“ und „Nur Mut“ machte. Das letzte Stück handelte um die Überwindung von Schranken, was gerade in der jetzigen Zeit hochaktuell scheint. Prompt meldeten sich im Nachgang Zuhörer, die mehr über dieses Gedicht erfahren wollten.
Stilvolle Klänge des e-Piano von Sebastian Stuhlemmer rundeten die durchaus gelungene Veranstaltung „Mauersberg liest!“ ab.
Die Baldauf Villa mit Literatur im Erzgebirge bedankt sich bei allen Aktiven, allen Zuhörern und vor allem bei Familie Stuhlemmer, die es ermöglicht haben, dass die offene Lesebühne hier stattfinden kann.

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