Literatur im Erzgebirge - Literatura v Krušných Horách

Museum Mauersberg

Mauersberg liest! 

"Mauersberg liest!" hieß es am 18.9.2014 im Mauersberger Museum.
Vor einer kleinen, aber begeisterten Schaar Zuschauer lasen unsere Erzgebirgsautoren und ihre Gäste eigene Texte und interpretierten Passagen ihrer Lieblingsautoren. Heiteres, Besinnliches und Nachdenkliches, in Mundart und auf hochdeutsch – alles war vertreten und spiegelten einmal mehr die Vielfalt der Literatur im Erzgebirge.

Karl- Heinz Melzer aus Mauersberg las Mundartliches aus seinem Buch: "De lustige Hutzenstub“
Hierin beschreibt er anhand von lustigen Beispielen, die aber auch tiefen Sinn hatten, sehr anschaulich, dass die Mundart erhalten werden muss. Zum Beispiel doppeldeutige Mundartworte, wie „dr Kaafer“ (Käufer und Käfer).

Ihm folgte ein Lesebeitrag von Regina Fiedler, ebenfalls Mauersbergerin, die zwar nicht selbst schreibt, aber von ihrem Lieblingsautor Axel Kühner Kurzgeschichten gelesen hat.
„Was ist Armut“ fragt Kühner – Eine reiche Familie fährt aufs Land, um auf einem Bauernhof Urlaub zu machen. Der Vater möchte, dass seine Kinder kennenlernen, was Armut bedeutet.
Der Sohn stellt u.a. fest: wir haben einen Hund, auf dem Bauernhof haben sie vier Hunde. Wir haben einen Swimmingpool auf dem Bauernhof haben sie einen ganzen Teich. Im Ergebnis dessen meint der Sohn zum Vater: „Jetzt weiß ich, was arm bedeutet“…

Auch Gerlinde Siegel, die Museumsleiterin des Mauersberger Museums bereicherte die Lesung unter anderem mit einer Chinesischen Weisheit: Die Arbeit läuft Dir nicht davon, wenn Du Deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis Du mit der Arbeit fertig bist… Wir sollten uns ab und zu vielleicht wirklich alle vor Augen halten, was die Prämissen des Lebens sind.
Zum anderen las sie einen Vergleich von Renate Eggert vor:
„Es ist ein Wunder, das die Generationen vor uns überlebt haben. Es gab keine Sicherheitsgurte im Auto, sie tranken Wasser aus der Leitung, hatten keinen Helm auf beim Fahrradfahren, hatten kein Handy, keiner fragte nach Absicherungen durch eine Versicherung, kannten keine Streitschlichtungsgespräche- dafür hatten sie aber Freunde, tranken aus einer Flasche und wurden nicht krank, Lehrjahre sind keine Herrenjahre….

Mandy Schubert, eine Erzgebirgsautorin aus Sehmatal/Sehma begann: „Sie hätt vier Kinner und enn Mo, da könnt ihr eich vorstelln, das bei uns derham immer wos lus is“.
Sie las auch Kurzgeschichten aus ihrem Buch: „Wer rastet der rostet“ Zum Beispiel: „Vergaßt fei net, wu ihr haar kommt!!! Manche, die in de Fremd gehen, benehmen sich dann ganz annersch, wenn sie nach Hause zu Besuch komm`“
Frau Schubert sinnierte weiter „Keiner weiß noch, wie man einen Brief schreibt; Was ist Fastenzeit? 40 Tage vor Ostern auf etwas verzichten, wer kennt und kann das noch? Wo wir doch alle im Überfluss leben?“

In das gleiche Horn stieß Siegfried Schlottig aus Zschopau, der aus seinem Debutbuch „Vater schreib`s auf“ zitierte.
Wie sind die „Alten“ früher über die Runden gekommen? Seine Tante war ein dominantes Weibchen, wo nichts verändert werden durfte. In Zeiten knapper Lebensmittel, durften die Armen, wenn der Bauer seine Kartoffeln „geerntet“ hatte, Kartoffeln stoppeln. Diese und andere Erinnerungen schrieb er auf Drängen seiner Kinder nieder und ließ somit augenzwinkernd seine Jugend Revue passieren.

Christine Huß aus Geyer brachte Lustiges, Ernstes und Besinnliches unter einen Hut und rezitierte eigene Verse aus ihrem Gedichteband. „Regentropfen“ ist ein Beispiel für die künstlerisch--literarische Umsetzung ihrer Emotionen in Worte, die den Zuhörer berühren und zum Nachdenken animieren.

Zwischen den Leseparts verzauberte der Kantor Johannes Stuhlemmer aus Mauersberg die Zuhörer auf dem Orgelpositiv der Firma Alexander Schuke aus Potsdam, einer Leihgabe der Thomaskirche Leipzig.

Die Offene Lesebühne „Mauersberg liest!“ zeugte wieder einmal mehr davon, wie Erzgebirger mit dem geschriebenen Wort umgehen können. Lesungen aus eigenen Werken, Vorstellung von Lieblingsautoren gepaart mit ergreifenden Orgeltönen, machten den Nachmittag zu einem einzigartigen kulturellen Erlebnis. Als besondere Überraschung schenkte die Museumsleiterin Gerlinde Siegel jedem Besucher der Veranstaltung zum Abschluß ein Glas selbstgekochte Marmelade. Damit bleibt die Erinnerung an die Literatur im Erzgebirge nicht nur im Kopf, sondern auch im Magen.

Herzlichen Dank an die Organisatoren, den Mitwirkenden und den Gästen.

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